Editorial: Nr. 82 | differenzen einschreiben

Titelbild
Pappsatt/kollektiv orangotango/memfarado, Anbringung eines Wandgemäldes zu aktuellen/gegenwärtigen (und historischen) sozialen Kämpfen/stadtpolitischen Auseinandersetzungen in Berlin-Kreuzberg, Sommer 2014, http://orangotango.info/projekte/wandbilder/berlin-not-for-sale/.

Formulare auf dem Amt ausfüllen, Todesdaten in den Grabstein einmeißeln, Geburten im Geburtsregister verzeichnen, mit Stolpersteinen an vertriebene, deportierte oder ermordete Jüdinnen und Juden erinnern, Graffitis an Häuserwände sprühen, den Namen der Kinder eintätowieren – in unterschiedlichen Kontexten spielen Praktiken des Einschreibens eine ganz alltägliche Rolle. Bei diesen Alltagspraktiken werden verschiedene Differenzkategorien, wie Alter, Geschlecht, sozialer Status, Herkunft, Religion oder körperliche Versehrtheit, in unterschiedliche Materialien, wie Papier und Stein, aber auch in Räume oder auf Körpern eingeschrieben. Für die Wirkmächtigkeit dieser eingeschriebenen Differenzen ist entscheidend, wie, von wem und wo sie eingeschrieben werden. Denn erst diese Faktoren bestimmen deren zeitliche Dauer und den Kreis der RezipientInnen. Das Einschreiben mittels bürokratischer Verfahren hat eine andere Wirkmächtigkeit als ein privates Statement auf dem eigenen Körper, das vielleicht nur für wenige sichtbar ist. Eine Botschaft an einer Häuserwand kann subversives Potenzial haben, sie ist aber oftmals nicht von langer Dauer – im Gegensatz zu offiziell angebrachten Hausinschriften. Welchen Differenzkategorien dabei »universelle Strukturierungskraft«(1) zukommt, ist variabel. Zudem muss jede einzelne Differenz in Relation zu anderen Differenzkategorien gesehen werden.(2)

Vor diesem Hintergrund gehen wir in diesem Heft drei Fragen nach: 1. Wie stellen Einschreibepraktiken unterschiedliche Differenzkategorien her und schreiben diese langfristig fest? 2. Welche Rolle spielen dabei die unterschiedlichen Beschreibstoffe? 3. Wer schreibt die Differenzkategorien ein, wer wird eingeschrieben und wer rezipiert diese Einschreibungen? Unter Einschreibepraktiken verstehen wir nicht allein die Einschreibung von Schriftzeichen, Symbolen und Markierungen in unterschiedliche Beschreibstoffe, sondern ebenso die sinn- und dauerhafte Markierung von Materialien und Räumen.

Das Aufspüren, Analysieren und Dekonstruieren von Differenzkategorien ist alles andere als neu. Die Frauen- und Geschlechtergeschichte interessierte sich bereits in den 1970er und 1980er Jahren für das Aufdecken sozial-konstruierter und gesellschaftlich gemachter Unterscheidungen sowie daran gekoppelter Machtstrukturen.(3) Historikerinnen wie Joan Scott oder Gisela Bock haben früh darauf hingewiesen, dass gender niemals für sich allein, sondern interdependent mit weiteren Differenzkategorien gesellschaftsstrukturierend wirke.(4) In diesem Punkt stimmten sie mit Forderungen von VertreterInnen der angloamerikanischen »Black-Feminism«-Bewegung und von Jüdinnen und Juden überein, die mit ihrer Kritik gegenüber der Mehrfachdiskriminierung von schwarzen, lesbischen und jüdischen Frauen in den 1970er Jahren den Grundstein für das Konzept der Intersektionalität gelegt haben.(5) Galt die Aufmerksamkeit der Intersektionalitätsforschung zunächst der klassischen Trias aus race, class, gender, haben insbesondere HistorikerInnen, die zur Frühen Neuzeit arbeiten, darauf hingewiesen, dass vormoderne Gesellschaften strukturell durch andere Ungleichheiten geprägt waren als moderne, und dass soziale Ungleichheit zudem anders wahrgenommen und bewertet wurde.(6) Vor diesem Hintergrund gilt es, zeitgenössische Differenzkategorien aus dem historischen Material herauszuarbeiten.(7)

Die je nach Zeit und Raum variablen Differenzkategorien, ihre Verschränkungen und daran geknüpften Machtstrukturen müssen jedes Mal wieder aufs Neue hervorgebracht, bestätigt und aktualisiert werden, wobei es auch zu Veränderungen und Verschiebungen kommen kann. Das Konzept des doing gender, das die praktische Hervorbringung, also das Gemacht-Werden und eben nicht das So-Sein von Geschlechtsunterschieden betont,(8) wurde bereits zu einem doing difference erweitert, um weiteren Ungleichheiten (nämlich race und class) Rechnung zu tragen.(9)

Diese praxeologische Perspektive, wonach Kultur in actu, also in und durch Handlungen oder routinierte Praktiken hervorgebracht wird, hat mit Beginn der 2000er Jahre zunehmend Eingang in die geschichtswissenschaftliche Diskussion gefunden,(10) sodass mittlerweile von einem regelrechten »practice turn« gesprochen werden kann.(11) Bei einer Praktik handelt es sich in den klassischen Formulierungen von Theodore R. Schatzki um »a ‚bundle‘ of activities« oder »a set of doings and sayings«.(12) Mit dem vorliegenden Heft zum Thema differenzen einschreiben knüpfen wir an diese Ansätze an, wobei es uns um eine spezifische »Differenzierungspraktik«(13) geht – nämlich die Praktik des Einschreibens von Differenzkategorien.

Die hier versammelten Beiträge stellen Einschreibepraktiken ins Zentrum und fragen, wie darüber Unterschiede hergestellt, festgeschrieben und dauerhaft sichtbar gemacht wurden. Dabei umfassen die Praktiken des Einschreibens nicht nur klassische Schreibpraktiken, mittels derer Schriftzeichen in unterschiedliche Materialien eingeschrieben werden, sondern bspw. auch die Platzierung von Dingen, Gebäuden und Monumenten im Raum sowie die Wahl bestimmter Materialien bei der Anfertigung von Artefaktensemblen. Von zentraler Bedeutung erscheint uns dabei die relative Dauerhaftigkeit sowie Sichtbarkeit der Differenzkategorien zu sein. Damit grenzen wir uns von Forschungen ab, die auch die situative, momenthafte Bewegung von Körpern im Raum z.B. bei einer Prozession oder die Inkorporierung von Bewegungsabläufen z.B. im Tanz als Einschreibepraktik begreifen.(14)

Aus praxistheoretischer Perspektive sind spezifische Wissensordnungen interessant, die die Praktik überhaupt erst ermöglichen und regulieren. Damit ist bereits angedeutet, dass ein solcher praxeologischer Ansatz keinesfalls mentale Prozesse ausschließt. Vielmehr umfasst er ausdrücklich auch diskursive Praktiken, in denen Wissensordnungen expliziert werden.(15) Dabei interessieren uns insbesondere solche Einschreibepraktiken, in denen kategoriales Wissen Unterschiede verhandelt und festschreibt.(16) Wie aber werden Differenzkategorien durch Einschreibepraktiken dauerhaft(er) hergestellt? Teresa Schröder-Stapper nimmt in ihrem Beitrag urbane (Haus-)Inschriften des 16. und beginnenden 17. Jahrhunderts und deren Funktionen im städtischen Raum in den Blick. Ausgangspunkt ihrer Überlegungen ist die These, dass unterschiedliche Differenzkategorien in Praktiken des Einschreibens hervorgebracht, aktualisiert oder akzentuiert wurden. Gegenstand sind dabei sowohl Schriftzeichen in Stein oder Holz als auch ganze Inschriftenarrangements (Text, Bild, Symbol, Trägermedium) im städtischen Raum. Auf diese Weise nutzten vormoderne AkteurInnen das Medium Inschrift, um kategoriales Wissen in Form dichotomer Differenzkategorien wie arm oder reich, ledig oder verheiratet, weiblich oder männlich zu markieren, damit sichtbar zu machen und in den städtischen Raum einzuschreiben. Die Materialität der Inschrift versprach in diesem Zusammenhang ein höheres Maß an Dauerhaftigkeit sowie Öffentlichkeit im Vergleich zu anderen Schriftmedien, sodass Differenzkategorien im Medium Inschrift nicht nur Zeiten, sondern auch Räume überdauern konnten.

Der (Stadt-)Raum als Beschreibstoff, in den Differenzen durch die gezielte Platzierung von Gebäuden und der damit verbundenen Lenkung von Wegstrecken und Sichtachsen eingeschrieben werden, steht im Mittelpunkt des Beitrags von Anna Michaelis. Darin untersucht sie, wie sich das jüdische Bürgertum in Berlin um 1900 durch Stiftung und Platzierung jüdischer Wohlfahrtsinstitutionen von den EmpfängerInnen der Fürsorge sowohl abzugrenzen als auch innerhalb der christlichen Mehrheitsgesellschaft zu verorten suchte. In dem Beitrag werden nicht nur unterschiedliche Differenzkategorien (Alter, Geschlecht, Herkunft, Ethnie), sondern zugleich unterschiedliche Modi der Einschreibung (Gebäudeplanung und -platzierung, Fassadengestaltung, Inschriften) und deren Materialitäten untersucht.

Alle vier in diesem Heft versammelten Beiträge berücksichtigen unterschiedliche Materialitäten und gehen der Frage nach deren sinnstiftenden Bedeutungen nach.(17) Anne Mariss analysiert in ihrem Beitrag die materielle Zusammenstellung von frühneuzeitlichen Rosenkränzen als Praktiken gesellschaftlicher Distinktion. Rosenkränze sowie die damit verbundenen Gebetspraktiken fungieren nicht allein als offensichtlicher Marker konfessioneller Differenz, sondern verweisen in Form, Material und Ausschmückung auf das Geschlecht, den Stand und persönliche Vorlieben der BesitzerInnen. Schriftzeichen in Form von Gravuren spielen in diesem Zusammenhang eine untergeordnete Rolle. Vielmehr wird hierbei durch die Wahl bestimmter Materialien Differenz in den Rosenkranz als Artefakt eingeschrieben. Dabei zeigt sich, dass sich aus dem Wechselverhältnis zwischen der Materialität des Beschreibstoffes und den eingeschriebenen Differenzen weitere Forschungsfragen ergeben.(18)

Unser Interesse richtet sich im gesamten Themenheft darauf, ob die Materialität des Beschreibstoffes die (relative) Dauerhaftigkeit der eingeschriebenen Differenzierung, auch über die Lebenszeit der beteiligten AkteurInnen hinaus, garantiert. Denn die Beschreibstoffe unterliegen häufig einem anderen Rhythmus der historischen Veränderung als die AkteurInnen, die einem kontinuierlichen natürlichen Wandel ausgesetzt sind.(19) Dabei bleibt zu berücksichtigen, dass nicht jedes Material und nicht jede Einschreibetechnik die gleiche Dauerhaftigkeit aufweist. Aufgemalte Schriftzeichen sind weniger permanent als tief in die Haut eintätowierte, Stein verspricht bspw. eine längere Haltbarkeit als Papier oder Holz.

Zugleich gehen wir im Heft davon aus, dass die Materialität des Beschreibstoffes ein unterschiedlich großes Maß an Öffentlichkeit(en) generieren kann, wie im Fall von Inschriften oder Graffitis. Dabei ist die öffentliche Zugänglichkeit kein zwingendes Kriterium. Denn die Materialität des Beschreibstoffes kann ebenso wie z.B. im Fall von verdeckten Tätowierungen oder weiter oben angebrachten Dachbalken eine begrenzte Zugänglichkeit zur Folge haben. Dies führt zu der Frage, wer das Eingeschriebene überhaupt lesen kann, sowie zur Problematik restringierter Schriftpräsenz und deren Wirkmächtigkeit.(20) Darunter fallen nicht allein Schriftzeichen, die nicht für jeden zugänglich, sondern auch nicht (oder nicht mehr) für jeden verständlich sind, wie etwa die von Stephanie Zehnle betrachteten westafrikanischen Dermografiken im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert. Hierbei handelt es sich um Muster, Formen und Symbole, die während eines Initiationsrituals in die menschliche Haut eingeschrieben wurden und dann dauerhafte Vernarbungen bildeten. Sie unterlagen einem von den Beteiligten durchaus intendierten »Arkanprinzip« und waren für Außenstehende wie die Kolonialherren kaum zu entschlüsseln. Hinzu kam, dass sowohl die Praktik des Einschreibens als auch die eingeschriebenen Symbole und Muster, die Zeichencharakter hatten und nicht eins zu eins in verschiedene Differenzkategorien übersetzt werden konnten, immer wieder Wandlungs- und Transferprozessen ausgesetzt waren. Insofern veränderten sich die Bedeutungen der Zeichen immer wieder und waren nicht für jede und jeden lesbar oder eindeutig in ihrer Aussage.

Der relativ dauerhafte und öffentliche Charakter unterschiedlicher Beschreibstoffe kann wiederum wiederholte Handlungen der Auseinandersetzung mit dem Eingeschriebenen provozieren: Es wird gelöscht, überschrieben, erneuert, verändert, umgedeutet, kopiert, kommentiert oder wiederholt rezipiert. Auf diese Weise können die eingeschriebenen Differenzen nicht allein vermittelt und bewahrt, sondern zugleich generiert, transformiert oder getilgt werden. Entsprechend werden in dem vorliegenden Heft nicht ausschließlich die ausführenden AkteurInnen in den Blick genommen, sondern auch die RezipientInnen sowie deren Folgepraktiken im Umgang mit den materiell verankerten Differenzkategorien.

Unter den Rubriken Werkstatt und Debatte veröffentlichen wir in diesem Heft zwei Beiträge, die sich beide mit Repräsentationen von Wissen im weitesten Sinne beschäftigen. Felix Schürmann untersucht in seinem Werkstatt-Beitrag die fotografische Repräsentation der Tierumsiedlungen aus dem Flutungsgebiet der Kariba-Talsperre in den späten 1950er und frühen 1960er Jahren. Er zeigt, wie die Visualisierung von Tierrettungen im Zuge der Dekolonialisierung der Zentralafrikanischen Föderation imperiale Männlichkeit neu inszenierte. Daniela Döring setzt sich in ihrem Debatten-Beitrag mit neuen kritischen und reflexiven Ausstellungspraktiken in kunsthistorischen und historischen Museen auseinander. Dabei fragt sie, wie sich Ausstellungen durch Einblicke in die Museumsarbeit verändern und welche Auswirkungen diese neuen Strategien auf die Deutungshoheit der Museen haben.

Unter der Rubrik Dingfest befasst sich Johanna Strunge mit einer 1904 von der Badischen Uhrenfabrik Furtwangen AG gefertigten »Reichs-Colonial-Uhr«. Stücke wie dieses erfahren seit einiger Zeit Konjunktur in deutschen und internationalen Ausstellungen und stehen häufig als »Historische Leitobjekte« für die Phase des deutschen Kolonialismus. Ein genauer Blick auf ihre Bildmotivik und Funktionsweise regt zu einer Auseinandersetzung mit dem historischen und aktuellen Einsatz des Objekts an.

In der Filmkritik erläutert Andreas Kötzing, auf welche Weise Gundermann (2018) von Andreas Dresen (Regie) und Laila Stieler (Drehbuch) den Liedermacher, Baggerfahrer und IM der Staatssicherheit Gerhard Gundermann (gespielt von Alexander Scheer) als eine ambivalente Figur vorstellt und ZuschauerInnen ihr jeweils eigenes Urteil finden lässt. Anders als die meisten neueren Filme über die DDR stellt Gundermann nicht einseitig die Diktatur ins Zentrum und dramatisiert den Verrat. Er erzählt auch von unspektakulärem Alltagsleben und privaten Dramen. Und er lässt mitunter beiläufig aufscheinen, dass man die DDR bzw. die mit ihr vermachte Utopie auch mögen konnte und den Westen nicht unbedingt attraktiver finden musste. Gundermann, so argumentiert Andreas Kötzing, bedient damit verschiedene Erinnerungen der DDR-Geschichte, ohne eine von ihnen klar zu favorisieren. Er schlägt vor, ihn als einen »Versöhnungsfilm« zu sehen, der hoffentlich weitere differenziertere Filme über die DDR nach sich ziehen wird.

Helen Ahner und Alexander Renz, die für unsere Expokritik das StadPalais – Museum für Stuttgart besuchten, zeigen, dass unterschiedliche Deutungsmuster von Gegenständen und deren Geschichten auch der musealen Arbeit innewohnen. Sie bieten zwei unterschiedliche Lesarten der 2018 eröffneten Dauerausstellung, die sich mit der Frage »Wer oder was ist Stuttgart?« auseinandersetzt.

Eva Marie Lehner, Teresa Schröder-Stapper und die Redaktion

 

(1) Für die Kategorie Geschlecht hat Heide Wunder bereits Anfang der 1990er Jahre betont, dass diese keineswegs »die universell Strukturierungskraft wie in der bürgerlichen Gesellschaft des 19. Jahrhunderts besaß«. Dies., Er ist die Sonn`, sie ist der Mond. Frauen in der Frühen Neuzeit, München 1992, S. 264.

(2) Siehe für die Frühe Neuzeit bspw.: Andrea Griesebner, Geschlecht als mehrfach relationale Kategorie. Methodologische Anmerkungen aus der Perspektive der Frühen Neuzeit, in: Veronika Aegerter (Hg.), Geschlecht hat Methode. Ansätze und Perspektiven in der Frauen- und Geschlechtergeschichte, Zürich 1999, S. 129–137; Claudia Ulbrich, Shulamith und Margarete. Macht, Geschlecht und Religion in einer ländlichen Gesellschaft des 18. Jahrhunderts, Köln/Wien/Weimar 1999.

(3) Natalie Zemon Davis, »Women’s History« in Transition. The European Case, in: Feminist Studies 3 (1976), S. 83–103; Joan Scott, Gender as a Useful Category of Historical Analysis, in: The American Historical Review 91 (1986), S. 1053–1075; Gerda Lerner, Frauen finden ihre Vergangenheit. Grundlagen der Frauengeschichte, Frankfurt a.M./New York 1995 [1979], S. 166; Judith Butler, Das Unbehagen der Geschlechter, Frankfurt a.M. 1991.

(4) Vgl. Scott, Gender as a Useful Category, S. 1054; Gisela Bock, Geschichte, Frauengeschichte, Geschlechtergeschichte, in: Geschichte und Gesellschaft 14 (1988), S. 364–391, hier S. 374.

(5) Vera Kallenberg/Jennifer Meyer/Johanna M. Müller (Hg.), Intersectionality und Kritik. Neue Perspektiven für alte Fragen, Wiesbaden 2013, S. 105–124.

(6) Vgl. Claudia Ulbrich, Ständische Ungleichheit und Geschlechterforschung, in: Marian Füssel/Thomas Weller (Hg.), Soziale Ungleichheit und ständische Gesellschaft. Theorien und Debatten in der Frühneuzeitforschung, Frankfurt a.M. 2011, S. 85–104.

(7) Vgl. Böth/Schul, Abenteuerliche »Überkreuzungen«, S. 15; Matthias Bähr/Florian Kühnel, Plädoyer für eine Historische Intersektionalitätsforschung, in: dies. (Hg.), Verschränkte Ungleichheit, S. 9-37, hier S. 16.

(8)  Candance West/Don H. Zimmerman, Doing Gender, in: Gender and Society 1 (1987), S. 125–151.

(9) Candace West/Sarah Fenstermaker, Doing Difference, in: Gender and Society 9 (1995), S. 8–37.

(10) Vgl. Marian Füssel, Die Praxis der Theorie. Soziologie und Geschichtswissenschaft im Dialog, in: Arndt Brendecke (Hg.), Praktiken der Frühen Neuzeit. Akteure – Handlungen – Artefakte, Köln/Weimar/Wien 2015, S. 21–33.

(11) Einen solchen turn haben Theodore Schatzki, Karin Knorr-Cetina und Eike von Savigny bereits 2001 ausgerufen: dies. (Hg.), Practice Turn in Contemporary Theory, London 2001.

(12) Theodore R. Schatzki, The Site of the Social. A Philosophical Account of the Constitution of Social Life and Chance, University Park 2002, S. 70–73.

(13) Jürgen Osterhammel, Kulturelle Grenzen in der Expansion Europas, in: ders., Geschichtswissenschaft jenseits des Nationalstaats. Studien zu Beziehungsgeschichte und Zivilisationsvergleich, Göttingen 2001, S. 203–239, hier S. 209.

(14) Vgl. Marian Füssel, Hierarchie in Bewegung: Die Freiburger Fronleichnamsprozession als Medium sozialer Distinktion in der Frühen Neuzeit, in: Patrick Schmidt (Hg.), Stadtgemeinde und Ständegesellschaft. Formen der Integration und Distinktion in der frühneuzeitlichen Stadt, Berlin 2007, S. 31-55; Mareike Böth, Erzählweisen des Selbst. Körperpraktiken in den Briefen Liselottes von der Pfalz (1652-1722), Köln/Weimar/Wien 2015.

(15) Vgl. Andreas Reckwitz, Auf dem Weg zu einer kultursoziologischen Analytik zwischen Praxeologie und Poststrukturalismus, in: Monika Wohlrab-Sahr (Hg.), Kultursoziologie. Paradigmen – Methoden – Fragestellungen, Wiesbaden 2010, S. 179–205, hier S. 192; ders., Grundelemente einer Theorie sozialer Praktiken. Eine sozialtheoretische Perspektive, in: Zeitschrift für Soziologie 32 (2003), S. 282–301, hier S. 298.

(16) E. Doyle McCarthy, Knowledge as Culture. The New Sociology of Knowledge, London u.a. 1996; Achim Landwehr, Das Sichtbare sichtbar machen. Annäherungen an »Wissen« als Kategorie historischer Forschung, in: ders. (Hg.), Geschichte(n) der Wirklichkeit. Beiträge zur Sozial- und Kulturgeschichte des Wissens, Augsburg 2002, S. 61–89, hier S. 70.

(17) Hans Peter Hahn, Materielle Kultur. Eine Einführung, Berlin 2005, S. 9; Reckwitz, Auf dem Weg zu einer kultursoziologischen Analytik, S. 193.

(18) Vgl. Richard Fox/Diamantis Panagiotopoulos/Christina Tsouparopoulou, Affordanz, in: Michael R. Ott/Rebecca Sauer/Thomas Meier (Hg.), Materiale Textkulturen. Konzepte – Materialien – Praktiken, Berlin/Boston/München 2015, S. 63–70, hier S. 68.

(19) Vgl. zum zeitlichen Konzept der Dauer Ferdinand Braudel, Geschichte und Sozialwissenschaften. Die lange Dauer, in: ders., Schriften zur Geschichte, Bd. 1: Gesellschaften und Zeitstrukturen, Stuttgart 1992, S. 49–87.

(20) Zum Begriff der restringierten Schriftpräsenz vgl. Tobias Frese/Wilfried Keil/Kristina Krüger (Hg.), Verborgen, unsichtbar, unlesbar – zur Problematik restringierter Schriftpräsenz, Berlin/Boston 2014. Eingeführt wurde der Begriff der »restringierten Präsenz« zur Beschreibung des Verhältnisses von eingeschränkter Sichtbarkeit und Wirkmächtigkeit durch den Altorientalisten Markus Hilgert. Vgl. ders., »Text-Anthropologie«: Die Erforschung von Materialität und Präsenz des Geschriebenen als hermeneutische Strategie, in: Altorientalistik im 21. Jahrhundert. Selbstverständnis, Herausforderungen, Ziele. Mitteilungen der Deutschen Orient-Gesellschaft 142 (2010), S. 87–126, hier S. 99, Anm. 20.