Manuela Bauche/Jochen Lingelbach
»Wissenschaft und Unrecht«. Interview mit Manuela Bauche zur neuen Ausstellung der FU Berlin am Erinnerungsort Ihnestraße
Seit Oktober 2024 gibt es im und am Gebäude des Otto-Suhr-Instituts für Politikwissenschaft (OSI) der Freien Universität Berlin eine neue Dauerausstellung zur Geschichte des Ortes in der Ihnestraße 22, von 1927 bis 1945 das Kaiser-Wilhelm-Institut für Anthropologie, menschliche Erblehre und Eugenik, mit dessen Geschichte sich die Ausstellung unter dem Titel Erinnerungsort Ihnestraße. Wissenschaft und Unrecht auseinandersetzt. Mitarbeiter*innen des Instituts vertraten bereits in der Weimarer Republik eugenische Ideen, einzelne Wissenschaftler*innen griffen auf ältere kolonialanthropologische Forschung zurück und während des Nationalsozialismus unterstützten Forscher*innen die rassistische, antisemitische und behindertenfeindliche Verfolgungs- und Vernichtungspolitik und beteiligten sich an Verbrechen. All diese Themen behandelt die sehenswerte Ausstellung, die sich über vier Etagen in den Fluren und dem Außengelände der Ihnestraße 22 verteilt. Für WerkstattGeschichte sprach Jochen Lingelbach mit der Leiterin des Projekts, Dr. Manuela Bauche, über die Strukturen dahinter, die Inhalte und Aushandlungen auf dem langen Weg von den ersten Ideen bis zur Eröffnung des Erinnerungsorts.
»Science and Injustice«. Interview with Manuela Bauche on the new exhibition at the Ihnestraße memorial site of the FU Berlin
In October 2024, a new permanent exhibition opened in the building of the Otto Suhr Institute of Political Science at Freie Universität Berlin at Ihnestraße 22. From 1927 to 1945, the Kaiser Wilhelm Institute for Anthropology, Human Heredity and Eugenics was housed here, whose history is explored in the exhibition entitled Erinnerungsort Ihnestraße. A History of Science and Injustice. Employees of the institute advocated eugenic ideas as early as in the Weimar Republic, individual scientists drew on older colonial anthropological research and during National Socialism, researchers supported the racist, anti-Semitic and anti-disabled persecution and extermination policies and participated in crimes. All of these topics are covered in the exhibition, which is spread over four floors in the corridors and outdoors at Ihnestrasse 22. Jochen Lingelbach spoke to the head of the project, Dr. Manuela Bauche, about the structures behind it, the content of the exhibition and the debates on the long road from the initial ideas to the opening of the memorial site.
Kurz-Bio: Manuela Bauche/Jochen Lingelbach
Manuela Bauche ist Historikerin mit einem Schwerpunkt in der Geschichte der Lebenswissenschaften des 19. und 20. Jahrhunderts. Sie ist Leiterin des Erinnerungsorts Ihnestraße an der Freien Universität Berlin, einer Dauerausstellung, die die Geschichte des Kaiser-Wilhelm-Instituts für Anthropologie, menschliche Erblehre und Eugenik am historischen Ort kritisch beleuchtet. Manuela Bauche beschäftigt sich zudem mit den Verbindungen unterschiedlicher Unrechts- und Gewaltgeschichten zueinander und verfügt über mehrjährige Erfahrung in der historisch-politischen Bildung. Ihre 2017 im Campus-Verlag erschienene Dissertation Medizin und Herrschaft untersucht die Beziehungen zwischen Malariabekämpfung, staatlicher Herrschaft, Rassismus und Klassismus in Kamerun, Deutsch-Ostafrika und Ostfriesland um 1900.
E-Mail: manuela.bauche@fu-berlin.de
Jochen Lingelbach ist Mitglied der Themenredaktion bei WerkstattGeschichte, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl Geschichte Afrikas und Mitglied des Exzellenzclusters »Africa multiple« an der Universität Bayreuth. Er hat an der Universität Leipzig zur Geschichte polnischer Geflüchteter in Ostafrika promoviert und dies 2020 unter dem Titel On the Edges of Whiteness. Polish Refugees in British Colonial Africa during and after the Second World War bei Berghahn (New York) veröffentlicht. Seine Schwerpunkte liegen in der Geschichte von Lagern, Flucht, Migration, Kolonialismus und Mobilität.
E-Mail: jochen.lingelbach@uni-bayreuth.de