Nr. 76 | werkstücke | Abstract

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Christoph Lorke

[ DEUTSCH | ENGLISH | Kurz-Bio]

Das Dilemma des Diplomaten? »Nationale Mischehen« im Deutschen Kaiserreich

Die im diplomatischen Dienste Preußens bzw. des Deutschen Kaiserreichs stehenden Männer waren transnational hochmobil und bewegten sich schon von Berufswegen her permanent über nationale und kulturelle Grenzen hinweg. Ihre Lebensläufe personifizierten somit permanent grenzüberschreitende Interaktions-, Mobilitäts- und (interkulturelle) Kontaktmuster, mit deren Folgen sich der Nationalstaat als Arbeitgeber konfrontiert sah. Dies löste Angst und Misstrauen aus. Seit dem zweiten Drittel des 19. Jahrhunderts ergriffen die Autoritäten daher gezielte Maßnahmen, um auf die privaten Lebensentscheidungen seiner Staatsangestellten Einfluss zu nehmen. Die damit in Verbindung stehenden Konstruktionsweisen kultureller Differenz, die Klassifizierungen der ‚fremden‘ Frau sowie die mit politischen Regulierungsversuchen intendierten und nicht intendierten Folgen stehen im Mittelpunkt dieses Beitrages.

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A Diplomat’s Dilemma? »National Mixed-Marriages« in the German Empire

Diplomats have always been transnationally mobile, crossing national and cultural borders for professional reasons, and thus developing a cosmopolitan lifestyle. This also included love relationships and marriage plans with women of non-German origin. For the German nation state in the »long 19th century«, intimate private unions between their state officials and foreign women have caused several problems. In Prussia there was an increasing fear of leaking political secrets through binational marriage since the second half of the 19th century. Reich Chancellor Otto von Bismarck personally decided to curb this marriage trend in 1868 which was the outset for a number of different examples of intervention and regulation of the diplomate’s private life. On the basis of case studies, this article tries to outline the logics and ideas behind the political measurements, which includes the construction processes of cultural difference, the perception of the ‘other’ woman and also reveals intended and unintended effects.

Kurz-Bio: Christoph Lorke

ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Historischen Seminar der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster, Lehrstuhl für Neueste Geschichte II/Zeitgeschichte. Er arbeitet zur Kultur- und Sozialgeschichte sozialer Ungleichheit, der Geschichte des geteilten Deutschlands und der Migrationsgeschichte. Zurzeit bereitet er eine Studie zu Paarbeziehungen und Eheschließungen mit nichtdeutschen Partnern in Deutschland (1870-1945) vor.

E-Mail: christoph.lorke@uni-muenster.de

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