Nr. 82

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Anne Mariss

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Materielle Differenzen. Soziale und konfessionelle Einschreibepraktiken an frühneuzeitlichen Rosenkränzen

Rosenkränze waren seit Beginn der Reformation im 16. Jahrhundert Marker von konfessioneller Differenz, auch wenn sich die eindeutige Zuordnung zum katholischen Glauben erst allmählich verfestigte. Ausgehend von zwei Rosenkränzen geht der Beitrag der Frage nach, wie sich in den Objekten Praktiken der Einschreibung von konfessioneller und sozialer Differenz materialisieren. Betrachtet werden ein Rosenkranz aus Gagat, an dem unterschiedliche Ein- und Anhänger angebracht sind sowie ein sogenannter Zehner aus Heliotrop, der mit zwei Balsamäpfeln in Form von Totenköpfen bestückt ist. Ausgehend vom jeweiligen Objekt wird eine parallele, kombinierende Lesart der materiellen, schriftlichen und bildlichen Quellen verfolgt, welche die Rosenkränze kontextualisiert. Mit dem Begriff der ‚Einschreibung‘ werden nicht nur im engeren Sinne schriftliche Einschreibungen untersucht, sondern auch nicht-textliche Formen wie die Wahl des Materials sowie der Ein- und Anhänger, die den Rosenkranz zu einem Gegenstand der ganz persönlichen Devotion machten.

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Material Differences. Social Inscription Practices in Early Modern Rosaries

Since the sixteenth century, the paternoster or rosary has been regarded as epitomizing Catholic piety. In the course of the Reformation, the rosary became a symbol of Catholicism which the Protestants viewed with a scorn and suspicion. Undoubtedly, the rosary marked confessional differences. But even within Catholicism, rosaries are not to be seen as a homogeneous group of objects. Instead, actors individualize rosaries by additional ornaments and inscriptions. This applies both to decoration with coins and medals, which testify not only to different religious but also to political motives, as well as to individual engravings of names, places, or dates.

Using written sources, images, and the objects themselves, this paper explores how difference manifests itself in the materiality and design of early modern rosaries. The underlying thesis is that rosaries can provide information about social (inclusion and exclusion) practices because they are not only a powerful symbol of confessionalization, but also provide knowledge about their owners and their social affiliation.

Kurz-Bio: Anne Mariss

ist akademische Rätin a. Z. am Lehrstuhl für Neuere Geschichte (Frühe Neuzeit) an der Universität Regensburg. Ihre Forschungsinteressen liegen in der Geschichte der europäischen Expansion, der Wissensgeschichte sowie der materiellen Kultur des Religiösen in der Frühen Neuzeit. Im Herbst 2019 ist die englische Übersetzung ihrer Dissertation Johann Reinhold Forster and the Making of Natural History on Cook’s Second Voyage, 1772–1775 erschienen. Derzeit arbeitet sie an einem Habilitationsprojekt zur materiellen Kultur frühneuzeitlicher Rosenkränze.

E-Mail: anne.mariss@geschichte.uni-regensburg.de

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