Nr. 58 | wissen und wirtschaften | Abstract

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Daniel Speich Chasse

[ DEUTSCH | ENGLISH | Kurz-Bio]

Streit um den Geldsack. Zahlen als politische Kommunikationsform über Entwicklungshilfe in der Schweiz

Der Beitrag geht der Frage nach, wie quantitatives Wissen über weltwirtschaftliche Zusammenhänge in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts erarbeitet wurde und konkretisiert am Beispiel der Schweiz die politische Bedeutung dieses Wissens. Dabei steht die Metapher des Geldsacks für eine Konzeption von wirtschaftlicher Ungleichheit, welche diese globalen Sachverhalte erstens als beseitigungsfähig erscheinen ließ und sie zweitens in den innenpolitischen Kontext eines Industrielandes übersetzbar machten. Der erste Abschnitt blickt auf die Geschichte des makroökonomischen Wissens zurück und zeigt, wie umstritten die quantitative Erfassung von Wohlstandsdifferenzen innerwissenschaftlich lange war. Der zweite Abschnitt fragt, ab wann und unter welchen Vorzeichen das Problem der weltwirtschaftlichen Differenz in der Schweiz zu einem innenpolitischen Thema wurde. Der dritte Abschnitt argumentiert, dass die Sprache der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung die politische Auseinandersetzung wesentlich prägte. Ohne vereinfachende Abstraktionen, so die These, wäre internationales Elend im Zuge der neuen sozialen Bewegungen nach 1968 nicht zu einem innenpolitischen Skandal in vielen Industrieländern geworden.

[ ENGLISCH | DEUTSCH]

Macroeconomic figures and political communication in the Swiss debate on development policy

This paper asks, how quantitative knowledge on world economic issues has influenced political discourse in industrialized countries. The argument is that statistical evidence allowed for the translation of global economic problems into the Swiss domestic political arena. The first section ventures into the history of macroeconomic knowledge production in the middle decades of the 20th century and highlights the scholarly contestations of comparative statistical analysis. The second section shows, at what point in time and under which circumstances issues of global poverty became domestic political issues in Switzerland. The third section argues that statistical abstractions were a crucial communicative device in the process.

Kurz-Bio: Daniel Speich Chasse

SNF-Förderungsprofessor für Geschichte mit Schwerpunkt Neueste Zeit an der Universität Luzern. Seine laufenden Forschungen gelten der Wissensgeschichte des Nord-Süd-Konflikts, der Geschichte internationaler Organisationen und der Geschichte der Makroökonomie. Neuere Publikationen sind der Sammelband „Entwicklungswelten – Globalgeschichte der Entwicklungszusammenarbeit“ (Frankfurt/M, 2009, mit H. Büschel) und ein Themenheft des Journal of Global History zu „Global Inequality“ (JGH 6, 2011, 1, mit A. Nützenadel).
E-Mail: daniel.speich@unilu.ch

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