Nr. 86 | papierkram

Im Januar 2020 machten Berichte über Arbeitsniederlegungen in der holzverarbeitenden und papierproduzierenden Industrie Skandinaviens die Runde. Darin war unter anderem die Rede von drohendem Mangel an Papier und Pappmaterial, wie es zur Verpackung von Waren oder zur Herstellung von Beipackzetteln für medizinische Produkte und Gebrauchsanweisungen zu technischem Gerät dringend benötigt werde. Die eingeschränkte Verfügbarkeit des Materials, so die Grundaussage der einschlägigen Artikel, könne ernsthafte Folgen für die Weltwirtschaft nach sich ziehen. Inzwischen hat sich die Situation nicht entspannt, sondern weiter zugespitzt. Im März 2022 gab es Nachrichten über erhebliche Preissteigerungen bei Papier. Buchverlage und Printmedien sind inzwischen mit rasant steigenden Preisen auf dem Papiermarkt konfrontiert. Die Papiervorräte schwinden. So manche Buchpublikation wird derzeit unter Hinweis auf die prekäre Versorgungslage verschoben. Nach mehreren Jahren der Debatte um Digitalisierung, virtuelle Praktiken in der Kommunikation, unstoffliche Medien und das Ersetzen von Papier durch andere Transfertechniken gerät dieser traditionelle »Beschreibstoff« nun in den Fokus der Aufmerksamkeit. In einer Welt, die sich zunehmend als papierlos zu verstehen begonnen hat, wird der Papier Gegenstand der Reflexion. …

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