Nr. 93 | grenzen internalisieren | Abstract

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Levke Harders

[ DEUTSCH | ENGLISH | Kurz-Bio]

Grenzinternalisierung durch Bürokratie. Zugehörigkeit und Verwaltung im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts

Im Zentrum dieses Beitrags steht die Herstellung von (Nicht-)Zugehörigkeit von als »fremd« geltenden Menschen im deutsch-dänischen Grenzgebiet um 1820, die als Ergebnis internalisierender Grenzpraktiken zu betrachten ist. Durch administrative Entscheidungen und lokale Praktiken wurde Zugehörigkeit auf staatlicher, regionaler und lokaler Ebene kontinuierlich ausgehandelt. Um dies aufzuschlüsseln, stellt der Text zunächst das Konzept der Internalisierung in der (historischen) Grenzforschung vor und geht auf die zeitgenössischen Grenz- und Migrationspolitiken ein. Mithilfe der Analyse zweier unterschiedlich gelagerter Fallbeispiele werden die konfliktreichen Zugehörigkeitskonstruktionen herausgearbeitet. Im Vergleich der beiden Verfahren werden unterschiedliche internalisierende Grenzpraktiken sichtbar, wobei Geschlecht, sozio-ökonomische und geografische Herkunft, Netzwerke sowie Wissen über bürokratische Verfahren relevant waren. Grenzen, so das Fazit, waren in einem gewissen Maß internalisierte Grenzen, die »entlang« einzelner Migrant*innen verhandelt, hergestellt und verändert wurden.

[ ENGLISCH | DEUTSCH]

Internalizing Borders through Bureaucracy. Belonging and Administration in the First Third of the Nineteenth Century

This article focuses on the construction of (non-)belonging among people considered »ali­en« in the German-Danish border region around 1820, which can be seen as the result of interna­lizing border practices. Through administrative decisions and local practices, belonging was conti­nuously negotiated at the state, regional, and local levels. To understand this, the text first introdu­ces the concept of internalization in (historical) border research and discusses contemporary border and migration policies. The conflictive constructions of belonging are explored with the help of an analysis of two different case studies. A comparison of the two cases reveals different internalizing border practices, with gender, socioeconomic and geographic origin, networks, and knowledge of bu­reaucratic procedures being relevant factors. The conclusion is that borders were, to a certain extent, internalized borders that were negotiated, established, and changed »along« individual migrants.

Kurz-Bio: Levke Harders

Levke Harders ist Professorin für Geschlechtergeschichte an der Universität Innsbruck und stellvertretende Leiterin des dortigen Centers Interdisziplinäre Geschlechterforschung. Neben der Geschlechtergeschichte liegen ihre Forschungs- und Lehrschwerpunkte u.a. in der Migrationsgeschichte, der Wissenschaftsgeschichte und der Biografieforschung. Wissenschaftskommunikation ist ein zentraler Bestandteil ihrer Arbeit, u.a. betreibt sie den Blog Migration & Belonging (https://belonging.hypotheses.org).

E-Mail: levke.harders@uibk.ac.at

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