Jonathan Voges
»An able and clever person« – mit Beziehungen. Akademische Patronage und Abhängigkeiten am Beispiel des Internationalen Instituts für geistige Zusammenarbeit in Paris
1925 stiftete die französische Regierung dem Völkerbund das Internationale Institut für geistige Zusammenarbeit, das die operative Arbeit für die zwei Jahre zuvor gegründete Internationale Kommission für geistige Zusammenarbeit übernahm. Das Institut bot vergleichsweise gut bezahlte und karriereförderliche Arbeitsplätze für vor allem junge Akademiker*innen. Eigentlich sollten die Stellen, wie alle anderen Positionen beim Völkerbund auch, nach transparenten Regularien vergeben werden. De facto aber weckten die Stellen Begehrlichkeiten sowohl bei nationalen Regierungen wie auch bei prominenten Professor*innen, die (zuweilen auch aus eigennützigen Gründen) danach strebten, ihre Schüler*innen in Paris zu installieren. Der Aufsatz behandelt genau solche Fälle akademischer Patronage in einem universitätsnahen internationalen Arbeitsumfeld.
»An able and clever person« – well connected. Academic Patronage and Dependencies in the International Institute for Intellectual Cooperation in Paris
In 1925 the French government established and funded the International Institute for Intellectual Cooperation as a gift to the League of Nations. Its aim was to do the operative work of the International Committee of Intellectual Cooperation, which had been founded two years earlier. The Institute offered rather well-paid jobs that could also serve young graduates as springboards for national academic careers. The recruitment process for these positions ought to have followed the rules, especially regarding transparency, that the League of Nations had developed for hiring its employees. In the event, national governments as well as prominent professors, sometimes pursuing their own agendas, tried to install candidates of their choice in Paris. The article deals with such cases of academic patronage in a working environment closely connected to the universities.
Kurz-Bio: Jonathan Voges
Jonathan Voges studierte Geschichte und Germanistik in Hannover und St. Louis. 2016 wurde er mit einer Arbeit über die Geschichte des Heimwerkens und des Do-it-yourself in der Bundesrepublik Deutschland promoviert. 2021 habilitierte er sich mit einem Projekt zur internationalen intellektuellen Kooperation im Rahmen des Völkerbunds. Seit 2021 arbeitet er in einem DFG-geförderten Projekt zur Pandemiepolitik der WHO seit den 1990er Jahren. Seit 2025 ist er zudem wissenschaftlicher Mitarbeiter am Leibniz- Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam, wo er ein Forschungsprojekt zur Frage erarbeitet, ob sich die jüngste Zeitgeschichte unter dem Leitmotiv der preparedness schreiben lässt.
E-Mail: jonathan.voges@hist.uni-hannover.de