Christina Stehling
»Ohne Besoldung zu begnügen«. Akademische Prekarität, universitäre und landesherrliche Macht in der Frühen Neuzeit am Beispiel der Universität Marburg
Machtstrukturen wirken sich nicht nur heute auf die Beschäftigungssituation von Wissenschaftler*innen aus, sondern taten dies auch schon in der Frühen Neuzeit. Vor gut 250 Jahren war die Existenz einer kleinen Landesuniversität abhängig von den (bildungs-)politischen Vorstellungen der Landesherrschaft. Der Weg eines Gelehrten zu einer ordentlichen Professur war geprägt von der Konkurrenz untereinander, aber auch von der finanziellen Situation der Universität. Je nachdem, wie sich die Universität finanzierte, ließ ihre Haushaltslage weder eine leistungsgerechte Bezahlung der Lehrenden zu, noch konnten adäquate Studienbedingungen gewährleistet werden. Marburger Studenten, die sich beim Landesherrn über mangelhafte Studienbedingungen beklagten; ein Professorenkollegium, das hierzu eine Stellungnahme abgeben musste und schließlich ein Professor, der bereit war, mehrere Jahre ohne Besoldung zu lehren – diese Akteure bilden den Mittelpunkt des Beitrags. Er geht der Frage nach prekären beruflichen Beschäftigungsbedingungen und ihren Ursachen an einer frühneuzeitlichen Universität nach und nimmt gleichzeitig die aktuelle Situation in den Blick.
»To be content without a salary.« Academic Precariousness, the University, and Sovereign Power in the Early Modern Period: The Example of the University of Marburg
Power structures not only affect the employment situation of academics today, they also did so in the early modern period. 250 years ago, the existence of a small state university depended on the (educational) political ideas of the state’s rulers. A scholar’s path to a full professorship was determined not only by the competition, but also by the university’s financial situation. Depending on how the university was financed, its resources might not allow for performance-related pay for teaching staff, nor could adequate study conditions be guaranteed. Students at Marburg who complained to the sovereign about inadequate study conditions, a faculty that had to provide a statement on the qualifications of a candidate, and finally a professor who was prepared to teach for several years without pay – these actors are at the centre of the article. It examines the question of precarious working conditions and their causes at an early modern university while at the same time considering the current situation.
Kurz-Bio: Christina Stehling
Christina Stehling ist als freie Mitarbeiterin am Hessischen Institut für Landesgeschichte in Marburg tätig. Ihre Forschungsinteressen liegen u.a. im Bereich der Frauen- und Geschlechtergeschichte, der Bildungsgeschichte und der Verwandtschaftsforschung. In ihrer Dissertation hat sie anhand der ökonomischen Praktiken frühneuzeitlicher Marburger Professorenhaushalte deren Bedeutung für Stadt und Universität untersucht.
E-Mail: chr.stehling@uni-marburg.de