Nr. 81 | steine | Abstract

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Regina Sarreiter

[ DEUTSCH | ENGLISH | Kurz-Bio]

Steinwerkzeuge. Eine ethnologische Spurensuche nach Wissen zwischen Katholizismus, Kolonialismus und Ethnologie

Die weitreichende Zeitlichkeit von Artefakten aus Stein machte sie für die noch jungen Disziplinen Archäologie und Ethnologie Anfang des 20. Jahrhundert als Zeugen früher gelebten Lebens und damit als petrifizierter Ausdruck von Handwerk, Gebrauch und Alltag besonders attraktiv. Steinwerkzeuge können Jahrhunderte, gar Jahrtausende überstehen, ohne sich in ihrer Materialität zu verändern. Der Beitrag untersucht eine Sammlung von Steinwerkzeugen, die sich als prähistorisch klassifizierte Objekte eines Ausgrabungsprojekts von 1926 im heutigen KwaZulu-Natal (Südafrika) in verschiedenen Wissenssysteme in Südafrika, Deutschland, Österreich und im Vatikan bewegten. Durch die Beziehungen, die sie dort eingingen, wurden die Steinwerkzeuge zu wissenschaftlichen Objekten, die an der Produktion von Wissen über sich selbst und die Zeitlichkeit, in der sie verortet wurden, beteiligt sind. So wurden sie in Südafrika für das Projekt einer national-kolonialen Archäologie herangezogen, während sie in ihrer Begegnung mit der Kulturkreislehre dabei helfen sollten, eine Theorie über den Ursprung monotheistischer Glaubensvorstellungen zu stützen.

[ ENGLISCH | DEUTSCH]

Stone Tools. An Ethnological Search for Traces of Knowledge Connecting Catholicism, Colonialism, and Ethnology

The long endurance of prehistoric stone artefacts made them attractive at the beginning of the 20th century for the still young disciplines of archaeology and ethnology as expressions of stone-age crafts­manship and witnesses of everyday life. This article examines a collection of stone tools that were exca­vated in 1926 in today’s KwaZulu-Natal (South Africa). After being classified as prehistoric stone tools, they moved into various knowledge systems in South Africa, Germany, Austria, and the Vatican and established relations with those places’ scientific paradigms and practices. For example, in South Africa, they became part of a project to create a national-colonial archaeology while proponents of Kulturkreis­lehre took them to support a theory about the origins of monotheism.

Kurz-Bio: Regina Sarreiter

schreibt ihre Doktorarbeit über die relationalen Leben einer ethnologischen Sammlung zwischen Südafrika und Europa an der Universität Bayreuth. Zurzeit arbeitet sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Linden-Museum in Stuttgart.

E-Mail: sarreiter@lindenmuseum.de

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