Nr. 51 | bastarde | Abstract

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Regina Mühlhäuser

[ DEUTSCH | ENGLISH | Kurz-Bio]

„Diskriminiert, als sei es ein Negerbastard“. Der nationalsozialistische Blick auf die Kinder deutscher Soldaten und einheimischer Frauen in den besetzten Gebieten der Sowjetunion (1942–1945)

Nach der nationalsozialistischen Ideologie galten Kinder deutscher Wehrmachtssoldaten und nicht-deutscher Frauen in den besetzten „Ostgebieten“ generell als Bedrohung für die Reinheit des nationalen Genpools. Darüberhinaus zeugten diese Kinder als Symbol und Evidenz für den Mangel an „rassischem Bewusstsein“ arischer Männer. Gegen Ende des Jahres 1942 jedoch stufte man sie als potenziell wertvoll für die „Volksgemeinschaft“ ein. Die Nationalsozialisten fürchteten zwar, dass die „Ostvölker“ von diesem Einfluss an „überlegenem deutschem Blut“ profitieren könnten. Dennoch wurden eifrig Pläne geschmiedet, wie man die Kinder für die Ostfront „nutzbar machen“ könne. NS-Autoritäten diskutierten über die Bastarde als „menschliche Ressource“, als militärisches und ökonomisches Potenzial (z.B. als Ausgleich der relativ niedrigen Geburtenrate im Altreich). Zugleich jedoch schienen die Bastarde die rassische und gesellschaftliche Ordnung zu gefährden: Weil sie rassische Grenzen überschritten und jenseits legaler Kategorien in den besetzten Ostgebieten standen, stellten sie eine Gefahr dar, die kontrolliert werden musste.

[ ENGLISCH | DEUTSCH]

„Discriminated against as if it were a niggerbastard“. The Nazi View of the Children of German Soldiers and Local Women in the Occupied Territories of the Soviet Union (1942–1945)

In the Nazi ideology, children of German soldiers and non-German women in the „Occupied Eastern Territories“ were generally perceived as a threat to the purity of the national gene pool. Moreover, these children served as symbol and evidence for a lack of „racial consciousness“ among Aryan men. By the end of 1942, however, they were considered to be of value for the „German national community“. On the one hand, the Nazis feared that the „Eastern peoples“ would profit from this influence of „German blood“, assumed to be superior. On the other hand, they harboured a vivid interest to „make use of the children“ for the Eastern front. Nazi authorities discussed these children as a human resource or as a military and economic potential (i.e. to balance the relatively low birth rate in the Old Reich). At the same time, they seemed to threaten the racial and societal order. By transgressing racial boundaries and defying legal categories in the Occupied Eastern Territories, they posed a threat which was to be kept under control.

Kurz-Bio: Regina Mühlhäuser

Historikerin, Hamburger Institut für Sozialforschung. Ansprechpartnerin der AG Krieg und Geschlecht.
E-Mail: regina.muehlhaeuserathis-online.de

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