Nr. 49 | gefürchtete geschichte | Abstract

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Nora Helmli

[ DEUTSCH | ENGLISH | Kurz-Bio]

(Vor-)Bild einer neuen Weiblichkeit? Scheidung und Familiengesetzgebung im DEFA-Film Lots Weib (1965)

Liebe und Eheglück sind Hauptnarrative der Filmgeschichte, die beim (weiblichen) Publikum stets besonderen Anklang finden. Im Jahr 1965 gelang dem DEFA-Nachwuchsregisseur Egon Günther mit Lots Weib jedoch ein großer Erfolg mit der Darstellung einer zerrütteten Partnerschaft und dem bis dahin im DDR-Film tabuisierten Thema der Ehescheidung. Ausgehend von seinem Publikumserfolg untersucht der Artikel, welche Weiblichkeitsvorstellungen der Film widerspiegelt und mit welchen er bewusst bricht, um ein neues (sozialistisches) Ideal von Weiblichkeit zu inszenieren und zu propagieren. Dass Lots Weib sich auf das kurz nach der Premiere verabschiedete Familiengesetzbuch der DDR bezog, war kein Zufall. Das Gesetz räumte der Frau erstmals das Recht ein, sich auch ohne Einwilligung des Mannes scheiden zu lassen – eine Errungenschaft, die der Film auf der Ebene der Unterhaltung diskutiert und letztlich propagiert.

[ ENGLISCH | DEUTSCH]

New Socialist Femininity? Divorce and the new GDR family law in
the DEFA-movie Lots Weib (1965)

Love and a contented marriage, which always find favor with the (female) audience, are the main narratives of film history. In 1965, DEFA-newcomer Egon Günther came off on the contrary: In his film Lots Weib he staged a shattered partnership and broke the taboo of separation and divorce. This essay analyzes which images of femininity are reflected in the movie and consciously broken to stage and propagandize a new (socialistic) ideal of femininity. The film’s reference to the new GDR family law, which was passed some months later, is not accidental. The new bill allowed women to get divorced without the husband’s consent – an achievement which is here both discussed and propagandized on the level of entertainment.

Kurz-Bio: Nora Helmli

Nora Helmli ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Historischen Seminar der Universität Hamburg. Das Thema ihres Promotionsprojekts lautet: „Verbrecherjagd auf der Mattscheibe. Die Fernsehkriminalreihen Stahlnetz und Blaulicht in deutsch-deutscher Perspektive“.
E-Mail: helmli@zeitgeschichte-hamburg.de

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